Gedenkkultur Dessau-Roßlau

Logo

Chronik

Wie auf Landesebene kommt es auch in den anhaltischen Städten und Gemeinden zu gravierenden Veränderungen. Das aktive und passive Wahlrecht erhalten alle Wahlberechtigten unabhängig von Geschlecht oder religiöser Orientierung. Die ersten demokratischen Kommunalwahlen finden am 23. Februar 1919 statt. Die Funktion der Stadtverordneten sowie die der wahlbeamteten Stadträte wird gegenüber vor 1918 stark politisiert.

Am 7. März 1919 beschließt der Gemeinderat die Gründung der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft Dessau Stadt und Land GmbH, um dem steigenden Wohnungsbedarf entgegenzutreten. Sie baut die erste Siedlung „An der hohen Lache“. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt nimmt weiter eine rasante Entwicklung. Dies hängt mit dem Wirken von Hugo Junkers zusammen, denn die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke sind Struktur bestimmend: 1919 gründet Junkers die Flugzeug-Werke AG, am 2. Dezember 1921 die Abteilung Luftverkehr (die Junkerswerke legen den ersten Flugplatz an, am 7. Januar 1926 wird der neue Flugplatz eröffnet) und 1923 die Junkers-Motorenbau GmbH. Von den ca. 15.000 Beschäftigten in der Dessauer Industrie arbeiten 1929 ca. 36% in den Werken des Junkers-Konzerns. Auch die wirtschaftliche Blüte – bei allen konjunkturellen Schwankungen – machte Dessau zu einer blühenden Mittelstadt.

1923 kommt es zu ersten großen Eingemeindungen von fünf Vororten: Alten, Groß- und Kleinkühnau, Törten und Ziebigk.

Auch kulturell ist Dessau bleibt Dessau die bedeutendste Stadt des Landes. 1925 kam das aus Weimar vertriebene Bauhaus unter Walter Gropius nach Dessau. Durch diese beiden Institutionen – Bauhaus und Junkers – erlangte Dessau internationales Ansehen. Die größte Kulturstätte bleibt das Dessauer Theater, das nach den Ereignissen von 1918/19 in Friedrich-Theater umbenannt und von einer Stiftung getragen wird. Es brennt 1922 aus und ab 1. Februar 1923 spielt man in der ehemaligen Reitbahn in der Muldstraße. 1927 wird die Anhaltische Gemäldegalerie im Palais Reina und das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte in der ehemaligen Kunsthalle gegründet, dem 1929 eine Junkers-Luftschau angeschlossen wird. Bereits 1922 kommt es zur Gründung der Anhaltischen Landesbücherei.

Noch vor Ablauf seiner zwölfjährigen Amtszeit als Chef der Dessauer Verwaltung wählen die Stadtverordneten Fritz Hesse am 1. Juli 1929 als Bürgermeister wieder. Die letzte demokratische Kommunalwahl in Anhalt findet am 25. Oktober 1931 statt. Zwei Tage vorher spricht Adolf Hitler erstmals in Dessau im Kristallpalast. Mit über 39% der abgegebenen Stimmen erreicht die NSDAP mit 15 Mandaten ihr bestes Ergebnis. Nach den Landtagswahlen am 21. April stellt die NSDAP die Regierung, als am 17. Mai Alfred Freyberg erster nationalsozialistischer Ministerpräsident wird. Am 19. Juli 1932 scheiden auf dessen Betreiben die 1930 gewählten SPD-Stadträte aus dem Amt

Einwohnerzahlen

1919
65680
1925
72375
1933
78634